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Norwegen, der Geilo und die Hardangervidda


Wir sind in Norwegen!

Das war der erste Moment, an dem ich wirklich glaubte, dass wir es bis zum Nordkap schaffen könnten.

Ja, wir waren aufgebrochen, mit dem Ziel Nordkap, aber innerlich hatte ich mir immer die Freiheit behalten, das Ziel zu ändern oder die Reise abzubrechen, wenn es aus irgendwelchen Gründen bei Pepper, Micki oder mir über Grenzen gehen würde.


Höchste Priorität hatte für mich Pepper. Geht es ihr mit dem Bullileben gut?

Kann sie es als neues, rollendes Zuhause akzeptieren? Findet sie im Bulli ihren eigenen Platz und ihre Ruhe.

Pepper hatte mit mir schon viele Tages- und Wochenendausflüge gemacht und auch das Autofahren allgemein war kein Problem mehr.

Doch diese Reise war eine andere Hausnummer.


Zusätzlich wusste ich am Start auch nicht, ob Micki das alles so mitmacht.

Natürlich hatte ich sie durchchecken lassen und alle möglichen Vorkehrungen getroffen, dennoch war ich vorsichtig und zurückhaltend gewesen, weil die letzten Trips der Vergangenheit oftmals in einer Werkstatt geendet waren.

Erlebtes prägt halt.


An diesem Überschreiten der norwegischen Grenzen leuchtete die wirkliche Möglichkeit des Ankommens am Nordkap auf.

Es könnte wirklich gelingen.


Pepper ging es einwandfrei. Keine Anzeichen in jeglicher Hinsicht. Sie hatte tagsüber ihren Platz auf dem Beifahrerinnensitz gefunden und zeigte keine Unsicherheit oder Aufgeregtheit.

Also auf jeden Fall, wenn keine Katzen in der Nähe waren.

Abends und nachts hatte sie auch ihren festen Liegeplatz erobert und verteidigt.

Alles gut.


Micki lief wie am Schnürchen. Keine großen Auffälligkeiten, nur dass ihr Appetit nach Öl etwas mehr wurde.

Das kontrollierte ich aber regelmäßig und füllte gegebenenfalls nach.


Also alles auf Nordkap!


An dieser Stelle entschloss ich mich, den Schwerpunkt der Reise mehr auf die Landschaft, Orte, Routen und schon vereinbarten Kontakte zu legen.


Für Norwegen und Route Nordkap hatten wir entschieden, Südnorwegen rechts liegenzulassen, aber die Fjorde und die schönste Meerstraße mitzunehmen.


Es war eine fantastische, idyllische Fahrt durch Wälder und vorbei an Seen.


Oslo durchfuhren wir wieder nur und schrieben es auf unsere Liste für Städtetrips.

Die Camping- und Wohnmobilstellplätze waren entweder zu oder gefielen uns nicht. Staunend stellten wir fest, dass die Norweger wirklich alles in die Berge und Felsen bauten. Selbst große Kreisverkehre in ewig langen Tunneln waren Normalität. Wir hätten uns nicht über eine unterirdische Tankstelle mit Kiosk gewundert.

Maut, Tanken und Parken, alles ging digital.

An den Geschäften hingen Schilder mit der Aufschrift:

"Wir nehmen kein Bargeld."

Was sind wir in Deutschland nur digital zurück!


Von Oslo nahmen wir direkt Kurs auf Numedal.

Nach Kongsberg verengten sich die Täler und es wurde bergiger.

Die Landschaft veränderte sich.


Numedal war ein wunderschönes Tal mit Bergdörfern und Stabskirchen.

In Nore fanden wir einen Campingplatz. Die Rezeption war geschlossen und an der Tür hing eine Telefonnummer. Wir riefen an und keiner hob ab. Halt Nebensaison. Wir fanden noch ein weiteres Wohnmobil, die uns die wichtigen Informationen gaben. Platz suchen, Formular im Briefkasten ausfüllen und um 21.00h kommt der Inhaber für die Bezahlung.

Das war super. Wir stellten uns hin, gingen spazieren und genossen.

Abends kam der Inhaber zum Bulli, hielt einen tragbaren „EC-“ Überweisungsapparat hin, wir zahlten und alles fertig.


Am nächsten Tag nahmen wir noch etwas Ruhe und Sonne mit und dann ging es Richtung Geilo und dem Hardangervidda Nationalpark.




Bei unserem ersten Trip nach oben, auf den Geilo und dann auf die Hardangervidda wussten wir nicht, was auf uns zukommt.

Plötzlich standen wir vor 8 % Gefälle. Aber es ging nur vorwärts, zurück war zu lang. Ich habe es nicht geglaubt.

In meinem Kopf telefonierte ich schon mit dem ADAC e.V., der mir selbstverständlich und unfreundlich klarmachte, dass ich bescheuert sei, mit diesem Auto durch Norwegen zu fahren.

Aber einfach langsam weiter.

Und es ging. Mal im zweiten Gang, mal im Dritten.

Einfach weiter. Immer weiter.

Dann: Wir waren oben.

"Heilige Maria, Muttergottes."

Wir waren alle fertig.

Micki musste zunächst "Dampf" ablassen.

Pepper fand die Serpentinen auch nicht so toll. Außerdem hatte sie meine Anspannung gemerkt.

Ich musste atmen.

Dann blickten wir uns um. Was für eine Natur.

Wir stiegen aus und waren überwältigt.



Wir waren aber noch nicht ganz oben. Es ging noch weiter hoch und runter.

Abwärts ist nämlich auch nicht besser. Die Bremsen.

Micki hat alles gegeben und wir kamen auf den Geilo und fuhren später durch diese unglaubliche Tundra, die Hardangervidda.

Mein absoluter Favorit meines Lebens. Mein neuer Lieblingsort.

Sibirien muss diesen Ort in meinem Herzen jetzt abgeben.

Es gibt hier leider nur wenige Bilder. Wir fuhren da durch und ich war zwischen Begeisterung und Konzentration. Ich wollte uns einfach gut durchbringen.

Wir haben nicht angehalten, aus Angst, dass Micki, dann nicht mehr anspringt.

Wahrscheinlich Blödsinn, aber so war es.

So bleibt diese Schönheit nur in unserer Erinnerung bis auf diese paar Fotos.

Wer kann, muss sich das selbst ansehen. Es ist unglaublich.

Die Talfahrt vorbei am Eidfjord war landschaftlich klasse, aber wieder Serpentinen. Als wir in Voss ankamen, war ich unglaublich glücklich und froh.

Was für ein Roadtrip.






Am Abend hatte ich am ganzen Körper Muskelkater vor Anspannung und Konzentration.

Es hatte sich gelohnt.

Gut, dass ich vorher nicht wusste, was kam.

Wir verstehen jetzt, warum Voss auch als Adrenalin-Stadt bezeichnet wird.


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